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Königsweg über die Qaqortoq-Halbinsel 2005 (Grönland)

Freitag, 01.07.2005

Huh, ist das kalt heute morgen. Aber es hilft nichts, die Blase drückt. Also bewege ich mich langsam aus dem gemütlichen Outdoorbett. Außerdem ist es bereits später Vormittag. Als ich vorsichtig den Zeltausgang öffne, fährt mir ein Schreck durch die Glieder. Der See, an dessen Ufer wir ganz dicht zelten, ist fast gar nicht mehr zu sehen. Ein dicker Nebelschleier hüllt uns ein. Ich denke sofort an die beiden Franzosen. Hoffentlich hält uns der Nebel nicht allzu lange auf. Erst einmal kann ich jedoch ruhigen Gewissens in den Schlafsack zurückkriechen, an Aufbruch ist vorerst nicht zu denken.

Am früheren Nachmittag kämpfen sich erste Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke, so dass wir doch noch zum Aufbruch rüsten. Der Nebel ist lichter geworden und dank GPS wagen wir uns auf den nächsten Abschnitt des Weges nach Qaqortoq. Von ganz oben geht es heute nach ganz unten. Teilweise sehr steile Abstiege zwingen immer wieder zur Vorsicht. Inzwischen ist die Nebeldecke ganz verschwunden und die Sonne zeigt sich erneut in voller Pracht. Nur die Mücken und kleine lästige Fliegen halten uns davon ab, die langärmeligen Fleeceshirts abzulegen. Winzige, kaum sichtbare Steinmännchen weisen uns den Weg immer weiter hinab ins Tal. Und dann plötzlich hinter einer Biegung eröffnet sich uns ein unglaublich faszinierender Blick auf den Tasiusaq, einen Ausläufer des Fjordes, an dessen Ufer ein großer Teil des vor uns liegenden Wegstückes entlangführt. Das Geschrei von Möwen und den Weg säumende Muscheln verbunden mit dem Geruch der Algen und des Salzwassers, lassen keinen Zweifel daran, dass wir das Meer bald erreicht haben.

Unten angekommen wartet ein Fluss darauf, überquert zu werden. Und diesmal hilft alles nichts, die Wanderschuhe müssen mit den Watsandalen getauscht werden. Die Hosenbeine hochgekrempelt servieren wir den blutsaugenden Mücken ein Festessen. Durch ein sehr breites Flussbett fließen mehrere Flussarme, die wir durchqueren müssen. Unsere Füße sind vor Kälte kaum noch zu spüren, als wir das gegenüberliegende Ufer erreichen. Von hier jedoch führt der Weg unproblematisch und ohne größere Anstiege immer entlang des Tasiusaq, bis die malerisch in einer Bucht gelegene gleichnamige Schäfersiedlung erreicht ist.

Einzig und allein herumstehende Schafe und Tiergatter versperren hin und wieder den Weg. In Tasiusaq bedeuten bewirtschaftete Felder, Traktoren, ein Auto und auf dem Meer dahintreibende Boote ein Zeichen von Zivilisation. Wir sehen niemanden. Lediglich ein Hund freut sich über unsere Streicheleinheiten und weicht uns seitdem nicht mehr von der Seite. Hinter der scheinbar verlassenen Siedlung führt uns ein kleiner Pfad weiter entlang des Fjordes. Der Hund folgt uns. Gutes Zureden, dass er zurückbleiben und Haus und Hof hüten müsse, hilft nichts. Woher soll der Hund auch deutsch können? Unerklärlicherweise trennt uns plötzlich ein Maschendrahtzaun von unserem Weg. Eine gute Gelegenheit unseren kleinen Streuner loszuwerden. Kaum macht Kirko jedoch Anstalten über den Zaun zu klettern, ist unser Bello schon darunter durchgekrochen und erwartet uns bereits mit treuem Blick auf der anderen Seite. Wir lachen herzlich über das witzige Kerlchen.

Ein paar Meter weiter finden wir nach einigem Suchen eine ebene Stelle an einem Bach, wo wir dann auch unser Zelt aufschlagen. Die Sonne hinterlässt einen roten Schleier in der Bucht, als sie langsam hinter den Bergen verschwindet. Es wird kalt. Der Magen knurrt. Heißer Tee und warmes Essen lassen die wohlige Wärme in unsere Körper zurückströmen. Der Hund sitzt noch immer treuergeben vor dem Zelt, als wäre es unserer. Irgendwann wird er Hunger bekommen und nach Hause zurücklaufen, denke ich. Doch Kirko überkommt das schlechte Gewissen und er spendiert ihm ein Stück von unserer genau abgezählten Wurst. Bello freut sich und deutet dies als Aufforderung uns ein wenig näher zu kommen. Nur mit Mühe können wir ihm klarmachen, dass er im Zelt nichts zu suchen hat, auch wenn er uns doch irgendwie ein wenig leid tut. Kirko spielt noch mit ihm, während ich es mir schon mal im Zelt gemütlich mache und auf der Karte die morgige Route studiere. Nur wenig später schlafe ich tief und fest.


Samstag, 02.07.2005

Wenn die Sonne auch heute wieder vom Himmel strahlt, ist es doch nicht diese, sondern das Zupfen an den Zeltleinen, dass uns aus dem Schlaf reißt. Unmissverständlich macht uns unser Hund klar, dass es Zeit ist aufzustehen. Dass er immer noch da ist, wundert uns nun aber doch. Vermisst denn niemand diesen drolligen Kerl? Doch um schon aufzubrechen, ist es viel zu schön hier. Der seit Tagen anhaltende Sonnenschein, das Meer, die in der Bucht dahintuckernden Boote, sind wir wirklich noch auf Grönland? Hier vergessen wir die Zeit und genießen einfach nur, mit uns und dieser wunderbar heilen Welt allein zu sein. Beim späten Frühstück kann Kirko mal wieder den Blicken unseres treuen Begleiters nicht standhalten und spendiert ihm abermals ein Stück der deutschen Salami. So langsam erweicht er aber auch mein Herz und er genießt mein Kraulen sichtlich. Eine schlabberige kalte Hundeschnauze in meinem Gesicht ist sein Dank dafür.

Es fällt uns schwer diesen idyllischen Platz am Nachmittag zu verlassen. Der Weg führt uns weiter entlang des Fjordes bis zur nahegelegenen Hvalsö Ruine. Schon von weitem sehen wir die Ausflugsboote, die Touristen hierher bringen. Und so sehen wir hier auch seit Tagen die ersten Menschen. Es riecht lecker nach Grillwürstchen. Findet unser Bello, der uns noch immer gefolgt ist, wohl auch und ist plötzlich schneller als der Blitz verschwunden. Aus der Ferne sehen wir, wie man ihm die frisch gegrilltem Würstchen zuwirft. Da kann ein winziges Stück deutsche Salami nicht mithalten.

Die Hvalsö Ruine ist die besterhaltendste Siedlung der Wikinger, die einst das Land bevölkerten. Neben der besonders gut erhaltenen Kirche, kann man auch Wohnhäuser, Ställe und Vorratskammern sehen. Ein bisschen Phantasie benötigt man jedoch, um sich vorzustellen, wie Mensch und Tier hier auf engstem Raum zusammenlebten. Die Besichtigung der Hvalsö Ruine zählt zu den beliebtesten Ausflugstouren Südgrönlands und bildet einen Höhepunkt auf dem Königsweg. Nur kurz ist unsere Berührung mit der Zivilisation. Gleich hinter der Hvalsö Ruine beginnt ein Wald dichter Kriechweiden. Den Weg, falls es einen gibt, haben wir mal wieder aus den Augen verloren, so dass wir uns durch mannshohes Gestrüpp kämpfen. Da wir vermuten, dass die Vegetation weiter oben niedriger ist, klettern wir immer mehr den Hang hinauf. Aber der Wald aus Kriechweiden bleibt ein Wald. Wir kommen nur sehr langsam voran und es dauert Stunden, bis wir die Abzweigung zum Redekammen, dem höchsten Berg der Gegend erreicht haben.

Eigentlich wollten wir hier campieren, um am nächsten Tag den Redekammen zu besteigen. Zum Glück werden wir uns schnell darüber einig, uns die Besteigung des Redekammens für den nächsten Besuch auf Südgrönland aufzuheben. Wir steigen hinab ins Tal und stehen mal wieder vor einem Fluss, der uns zwingt, Schuhe und Strümpfe auszuziehen, in die Watsandalen zu schlüpfen und mit so wenig wie möglich Mückenstichen an den ungeschützten Beinen auf die andere Seite zu gelangen. Kaum ist dies vollbracht, wartet schon der nächste Anstieg auf uns. Noch einmal geht es fast 300 Höhenmeter hinauf. Wir werden von der direkt vor uns stehenden Sonne so stark geblendet, dass wir uns nur schwer orientieren können.

Der Anstieg ist beschwerlich und auf dem vermeintlichen Gipfel, erwartet uns der nächste Anstieg. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt, denn endlich oben angelangt, werden wir mit einem für alle Qualen entschädigenden Blick über den gesamten Fjord bis zurück auf die am Ende des Fjords liegende Siedlung Tasiusaq belohnt. Bis in die nächste Bucht des Fjordes geht es nur noch abwärts. Von Markierungen und Wegen jedoch keine Spur. Geht es anfangs noch recht gut voran, zwingen uns nur wenige Meter später immer wieder unbezwingbare Felsabbrüche einen anderen Abstieg zu suchen. Auch wird das Gestrüpp wieder dichter, um so weiter wir nach unten gelangen und so dauert es nicht lange und wir befinden uns erneut in einem Dickicht aus Kriechweiden. Ich bin kraftlos und gefrustet und habe nur noch ein Ziel, den in der Tiefe, aber noch weit entfernten Bach zu erreichen.

Als wir uns diesem nähern, bete ich, dass wir dort eine Stelle finden, an der wir unser Zelt aufschlagen können. Leicht ist es nicht, die einzige ebene Stelle befindet sich direkt an einem kleinen Abhang. Aber nach dem heutigen Tag ist uns alles recht. Wie ich nun feststellen muss, habe ich in dem Dschungel aus Kriechweiden, unsere Trinkflasche verloren. Ob sie wohl jemals jemand findet? Ich bin so kaputt, dass ich Zeltaufbau, Wasserholen und Kochen Kirko überlasse, der dies geduldig erträgt. Erst der aus dem Topf strömende Knoblauchgeruch weckt meine Lebensgeister wieder. Und so fühle ich mich nach dem Essen schon fast wieder bereit die nächste Etappe anzugehen.

Noch während wir über die uns die Orientierung erschwerende Sonne klagen, hören wir wie draußen die ersten Regentropfen auf das Zelt fallen. In dem befriedigendem Wissen ein Nylondach über dem Kopf zu haben, holt uns der Schlaf ein...


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