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Juan de Fuca Trail 2003 (British Columbia, Kanada)

Reisebericht - Juan de Fuca Trail (Marine Trail) 2003 auf Vancouver Island (Kanada)

1. Tag (China Beach - Mystic Beach, 2 km)
2. Tag (Mystic Beach - Bear Beach, 7 km)
3. Tag (Bear Beach - Chin Beach, 12 km)
4. Tag (Chin Beach - Sombrio Beach, 7 km)
5. Tag (Sombrio Beach - Botanical Beach, 19 km)



Reisebericht von Nicole

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Mittwoch, 21.05.2003

Es ist gerade mal kurz nach 5.00 Uhr, als der Wecker uns unsanft aus den Träumen reißt. Dabei waren wir doch eben erst eingeschlafen, denn die Nacht im HI Victoria war ziemlich laut und ungemütlich.

Nach einer letzten heißen Dusche machen wir uns auf den Weg zum Bus Terminal. Von hier aus soll uns der West Coast Trail Bus zum Trailhead am China Beach, dem Startpunkt des Juan de Fuca Marine Trail bringen.

Pünktlich um 6.40 Uhr steigen wir in den Bus. Mit uns fahren noch andere Trekker, die jedoch alle zum West Coast Trail wollen. Nicht nur wir, auch die anderen sind so früh am Morgen noch müde. Das plötzliche ruckartige Bremsen des Busfahrers lässt jedoch alle munter werden. Ein Schwarzbär überquert die Straße. Ich schaue auf die Uhr, gleich 8.00 Uhr, eigentlich müssten wir China Beach gleich erreicht haben. Und siehe da kaum 5 km weiter ist es soweit. Der Bus hält, wir steigen aus, zwei Trekker, die den Trail beendet haben, steigen ein.

Nur ein paar Schritte und schon sind wir allein. Ich muss an den Schwarzbären denken, der sich nur einige Kilometer weiter rumtreibt. Die Sonne meint es gut mit uns und knallt schon am frühen Morgen auf unser Haupt.

Wir begeben uns auf die Suche nach dem Trailhead.

Wie vom West Coast Trail gewohnt, erwarten wir ein Holzhäuschen, wo man noch letzte Informationen einholen kann. Außerdem hoffen wir insgeheim dort vielleicht noch eine Salami oder ähnliches Essbares erstehen zu können.

Etwas enttäuscht stellen wir fest, dass es hier außer einer Informationstafel, einem Parkplatz und einem Automaten, an dem man ein Permit lösen kann, nichts gibt.

Also verstauen wir sämtliche Sachen im Rucksack und kaufen ein Permit, dass uns berechtigt auf dem Trail zu übernachten. Schnell wird noch ein Foto vom Kilometerstein 0 gemacht und dann geht es los auf den Juan de Fuca Trail.

Der Weg beginnt ganz gemütlich auf breiten Pfaden. Kurz nach der 1-Km-Markierung führt eine Suspension Bridge über den Peter Wolfe Creek. Vorsichtshalber überqueren wir diese nacheinander. Nach einem weiteren Kilometer, kurz vor der 2 Km-Markierung erreichen wir den traumhaften Mystik Beach.

Da wir genug Zeit haben und die Sonne so verführerisch scheint, beschließen wir, obwohl es erst 9.30 Uhr ist, hier unser Lager zu errichten.

In aller Ruhe wird das Zelt aufgebaut und der Lagerplatz eingerichtet. Etwas Sorge haben wir schon, da gerade Ebbe ist und wir uns nicht so sicher sind, ob wir heute nacht eventuell im Wasserbett nächtigen.

Doch erst einmal genießen wir die Sonne, liegen faul herum und holen uns bereits den ersten Sonnenbrand. Lesen, schlafen und einfach mal entspannen, das ist so richtig Urlaub.

Östlich vom Beach befindet sich ein kleiner Wasserfall, für eine Dusche in diesem ist es uns jedoch auch trotz des herrlichen Wetters zu kalt.

Es wird Abend, damit mein Rucksack etwas leichter wird, dinnieren wir ausgesprochen reichhaltig. Als Vorsuppe ein Fjellsüppchen a la Kirko, dann gibt es fast ungenießbare Gemüsebratlinge, die ich zum größten Teil allein essen muss und anschließend leckeren Kaiserschmarrn, von dem ich leider aufgrund der vielen Gemüsebratlinge fast nichts mehr runterkriege.

Auch der schönste Tag geht einmal zu Ende. Wir genießen noch etwas die Abendstimmung, bevor wir uns ins Zelt verkriechen, um uns für den nächsten Tag zu rüsten. Beim Einschlafen hören wir noch die ersten Regentropfen aufs Zelt fallen.


Ankunft am China Beach

Trailhead

Wasserfall

Mystic Beach

Donnerstag, 22.05.2003

Es regnet noch immer.

Da wir keine Lust haben nass zu werden, kochen wir das Kaffeewasser in der Apsis unseres Zeltes. Auch ein paar Schwarzbrote mit Nutella sind schell im Zelt geschmiert.

Mit einigen Verrenkungen gelingt es uns sogar, unsere Rucksäcke im Zelt zusammen zu packen, so das alles trocken bleibt. Mit Regenbekleidung ausgerüstet wagen wir uns dann hinaus. Nachdem auch das Zelt abgebaut und im Rucksack verstaut ist, machen wir uns in der Hoffnung, dass der Regen doch noch aufhört, auf die zweite Etappe des Juan de Fuca Trail.

Aber daraus wird heute leider nichts. Es nieselt den ganzen Tag vor sich hin. Da die heutige Etappe jedoch größtenteils durch dichten Wald führt, werden wir nicht allzu nass. Oft lichtet sich der Wald plötzlich und es eröffnen sich gigantische Ausblicke auf das tosende Meer.

Anders als auf dem West Coast Trail hat man über alle Flüsse gute Brücken errichtet, so dass uns nasse Füße erspart bleiben.

Nach dem Ivanhoe Creek beginnt der Abstieg zum Bear Beach, unserem heutigen Tagesziel.

Da wir gelesen haben, dass es hier westlich vom Rosemond Creek zu Tide-Problemen kommen kann und wir wegen des andauernden Regens auch keine Lust mehr haben weiter zu laufen, suchen wir uns einen Zeltplatz am Rosemond Creek.

Der Bear Beach ist sehr steinig, daher ist es hier leider nicht möglich am Strand zu zelten. Es gibt aber einige nette Plätze im Wald. Einer davon liegt ganz allein im Wald, bevor man den Rosemond Creek überquert. Nach dem Überqueren des Creeks gibt es weitere Plätze und ein Outhouse.

Wir entscheiden uns für den einzelnen Platz vor der Überquerung des Rosemond Creeks. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund behagt mir der Platz nicht so ganz, erstmals wäre es mir lieber, wir wären nicht ganz allein hier, aber das muss wohl an dem trüben Wetter heute liegen.

Da es noch immer regnet und wir keine Plane dabei haben, wird das neu erworbene Footprint kurzerhand zur Plane umfunktioniert. Zwar können wir nicht zu zweit darunter sitzen, aber es reicht wenigstens aus, um darunter unsere Sachen trocken aus- und einzupacken.

Und noch immer regnet es. Entgegen aller Vorsichtsmaßnahmen beschließen wir im Zelt zu kochen, wer will sich denn schon im strömenden Regen draußen das Abendessen zubereiten?

Ich habe zwar ernsthafte Bedenken, aber leider auch keinen besseren Vorschlag. Aus praktischen Gründen gibt es Kartoffelbrei, der nur in heißes Wasser eingerührt werden muss und dazu Kaffee und Tee. Rechten Hunger habe ich sowieso nicht. Zum Glück neigt sich der Tag schon dem Ende entgegen.

Nun muss noch unser wasserdichter Sack mit sämtlichen Lebensmitteln und der Waschtasche auf den Baum gehangen werden. Obwohl Kirko nicht davon überzeugt ist, dass dies notwendig ist, überrede ich ihn. Kaum hängt der Sack auf dem Baum, fällt mir ein, dass wir den Müll vergessen haben. Den Sack noch einmal runterzuholen, haben wir keine Lust, also wird der Müllbeutel einfach neben den wasserdichten Sack gehängt.

Ein letzter Blick auf den Pacific und dann verkriechen wir uns im Zelt.

Kaum sind wir eingeschlafen, werden wir durch ein Rascheln geweckt. Klingt wie eine Plastiktüte. Nach reichlichem Überlegen sind wir jedoch beide der Meinung nichts draußen liegen gelassen zu haben. Da schon wieder ein Knacken, diesmal klingt es eher nach unserer Nalgene-Flasche. Ich bin mir sicher, dass diese im Vorzelt steht. Draußen ist es stockfinster und natürlich trauen wir uns nicht nachzuschauen, wer oder was dort so raschelt.

Plötzlich bilde ich mir auch noch ein ein großes Tier schleicht um das Zelt. Ich gehe natürlich davon aus, dass es sich um einen Bären handelt. Wir versuchen uns gegenseitig zu beruhigen und wieder einzuschlafen.

Die Nacht ist jedoch unendlich lang und finster und wir werden immer wieder durch das Rascheln und Knistern geweckt.

Später gesellt sich noch ein dumpfes Geräusch hinzu. Klingt als würde ein großes Tier, ich denke natürlich wieder sofort an einen Bären, an den Baum springen auf dem sich unser Sack und der achtlos daneben gehängte Müllsack befinden.

Wir schauen auf die Uhr, erst 1.00 Uhr. Wie lange noch bis zur Morgendämmerung? An Schlaf ist in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Ich bin nur froh, dass Essen und Waschtasche nicht im Zelt liegen. Immer wieder muss ich auch an das ungute Gefühl denken, dass ich von Anfang an diesem Platz gegenüber hatte. Und im Zelt kochen werden wir so schnell wohl auch nicht wieder.

Wir machen Licht im Zelt und warten auf den Morgen. Mit der Dämmerung verschwinden dann auch die Geräusche und so können wir doch noch ein wenig schlafen.

Skunk Cabbage

Boardwalks

Loss Creek

Wanderschuhe

Freitag, 23.05.2003

Ich bin froh, als es Zeit ist, aufzustehen.

Erst einmal suchen wir Spuren der nächtlichen Geräusche. Draußen sieht alles aus wie gestern Abend, nur der Baum auf dem unser wasserdichter Sack hängt, hat frische Kratzspuren. Doch ein Bär? Die Mülltüte ist auch zerrissen.

Wir beginnen unsere Sachen aufzuräumen und zusammen zu packen.

Als ich anfange das Zelt auszuräumen, stelle ich mit Entsetzen fest, dass das Innenzelt zerlöchert ist und das auch noch auf meiner Schlafseite. Genau bei den Taschen, in denen wir eigentlich nur Brille und Kontaktlinsen sowie mein Handtuch und mein Kopftuch aufbewahrt hatten. Auch das Außenzelt hat einige kleine Löcher. Mit Schrecken denke ich an die Geräusche der letzten Nacht zurück und will eigentlich nur noch weg hier.

Deswegen will ich schnell meinen Rucksack packen und da trifft mich fast der Schlag. Das Rückenteil meines Rucksacks ist total zerlöchert und selbst das Innenfach im Deckelfach, in dem ich lediglich Bücher aufbewahrt habe, ist völlig zernagt. Selbst die Bücher wurden nicht verschont.

Ich habe immer mehr das Gefühl hier einfach nur noch weg zu wollen.

Außerdem besteht uns heute der schwierigste Trailabschnitt bevor. Zwar nur 12 km, aber die haben es in sich, wie wir bald feststellen werden.

Wenigstens hat es aufgehört zu regnen und es scheint ein schöner Tag zu werden. Bevor wir uns auf den Weg machen, essen wir schnell noch ein paar Müsliriegel, auf ein ausgiebiges Frühstück verzichten wir.

Wir gehen ein Stück am Strand entlang und erreichen dann wieder den Trail.

Zurück auf dem Trail geht es gleich steil bergauf. Oben angekommen geht es auf der anderen Seite mindestens genauso steil wieder bergab um unten einen Fluss zu überqueren und dann auf der anderen Seite wieder steil berganzusteigen.

Auf diese Weise überqueren wir heute mindestens 15 Flüsse. Schon nach dem zweiten Anstieg läuft uns der Schweiß in Sturzbächen am Körper herunter.

Wären da nicht die Kilometersteine, die uns unermüdlich anzeigen, dass wir noch längst nicht am Tagesziel angekommen sind, hätte ich wahrscheinlich gedacht, wir sind am Chin Beach schon vorbei gelaufen.

In einem Trailführer habe ich gelesen, das man zwischen Kilometer 13 und 14 am Magdalena Point und am Arch Rock vorbei kommt. Wir erspähen an dieser Stelle eine Hütte im Wald und einen Felsen im Wasser und vermuten dass es sich hierbei um Magdalena Point und Arch Rock handelt.

Da wir jedoch bis hierher schon fast 3 Stunden benötigt haben und noch nicht einmal die Hälfte unserer heutigen Tagesetappe geschafft ist, interessiert uns das im Moment auch gar nicht so richtig.

Das stetige Berauf und Bergab wird immer beschwerlicher. Jeder neue Anstieg wird verflucht. Wir sehnen Km 19 herbei, da wir im Trailführer gelesen haben, dass dort der Abstieg zum Chin Beach beginnt. Dort angelangt müssen wir jedoch feststellen, dass wir den letzten Anstieg des Tages längst noch nicht überwunden haben.

Ca. bei Km 21 befindet sich im Wald eine Schutzhütte, in der man bei Flut übernachten kann. Dort angekommen ist der Gedanke sehr verlockend einfach hier zu bleiben. Aber von hier führen nun auch endlich die Leitern hinab zum Chin Beach.

Unser heutiges Tagesziel erreichen wir völlig erschöpft. Da es schon spät ist, sucht Kirko allein den Zeltplatz aus und ich gehe schon mal Wasser filtern.

Ein traumhafter Platz am Strand zwischen Treibholz mit Blick auf den Pacific lässt sofort alle Strapazen des Tages vergessen. Und so ganz allein sind wir hier auch nicht. Zur Belohnung für den harten Tag gibt es einen richtigen Festtagsschmaus. Wieder mal ein Fjellsüppchen und dann Rührei mit Zwiebeln dazu Kaffee und Tee. Lecker!

Wir sitzen noch lange vorm Zelt, genießen den traumhaften Ausblick auf das Meer, denken über den vergangenen Tag nach und darüber, was der kommende Tag wohl bringen mag und sind auch ein bisschen stolz darauf, den schwierigsten Trailabschnitt geschafft zu haben.

Als wir uns dann ins Zelt verkriechen, sind wir so müde, dass uns auch 3 Bären nicht hätten wecken können. Unser wasserdichter Sack hängt natürlich vorschriftsmäßig auf dem Baum, weit genug vom Zelt entfernt.


bei Bear Beach

Chin Beach

Blick zum Sombrio Beach

Zelt am Sombrio Beach

Samstag, 24.05.2003

Da wir den schwierigsten Trailabschnitt nun hinter uns gelassen haben, gehen wir den nächsten Tag etwas langsamer an, genießen den Blick auf den Pacific und nehmen uns die Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, bevor wir dann langsam unser Lager räumen.

Nachdem der gestrige Abschnitt zwischen Bear Beach und Chin Beach in der Wanderkarte als „sehr schwer“ bezeichnet war, erwartet uns heute bis zum Sombrio Beach nur noch ein als „schwer“ bezeichnetes Stück des Trails.

Mal sehen, ob man der Karte glauben kann! Als wir den Trailzugang erreichen, kommen mir erstmals Zweifel daran.

Schon wieder beginnt der Tag mit einem steilen Anstieg. Ich ahne Schlimmes. Und auf den nächsten 2-3 km bestätigt sich meine Ahnung. Wie bereits gestern geht es in stetem Wechsel zwischen sehr steilen An- und steilen Abstiegen weiter.

Es dauert allerdings nicht lange und der Wald öffnet sich und gibt bereits den Blick auf den Sombrio Beach, unser heutiges Tagesziel frei. Noch ist er zwar in weiter Ferne, mit dem Ziel vor Augen, wandert es sich jedoch wesentlich leichter.

Der Trail führt nun größtenteils an der Steilküste entlang. Fehltritte könnten also böse enden, so dass wir den Blick nicht nur dem wilden Pacific, der unter uns tobt, widmen können.

Als wir uns dem Sombrio Beach nähern, kommen uns vereinzelt auch Tageswanderer entgegen. Einige schmunzeln, als sie unsere verschlammten Klamotten und unsere riesigen Rucksäcke sehen.

Von Chin Beach kommend, erreicht man zunächst den östlichen Teil des Sombrio Beach. Zwei junge Mädchen haben ihr Zelt hier bereits aufgeschlagen. Nach einer kurzen Pause entscheiden wir uns jedoch zum westlichen Teil hinüberzulaufen.

Schon von weitem erkennen wir, dass wir heute abend nicht allein sein werden. Vor uns tauchen unendlich viele Zelte und noch viel mehr Menschen auf.

Uns erscheint dies wie eine Fata Morgana. Vor allem, weil alle diese Menschen Kühlboxen mit sich rumschleppen und eisgekühlte Coca Cola und herrlich frisches Budweiser trinken. Da fällt der Weg mit dem Wasserfilter zum nächsten Fluss gleich doppelt so schwer.

Woher kommen bloß alle diese Menschen, fragen wir uns. Ein Blick auf die Karte lüftet das Geheimnis.

Am Sombrio Beach befindet sich einer der vier Trailzugänge. Man kann also den nahegelegenen Parkplatz auch mit dem Auto erreichen. Und da heute Samstag ist, tummeln sich hier nun jede Menge Wochenendurlauber.

Was von weitem wie Wale aussah, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen, als Wellenreiter. Ein bisschen neidisch sind wir schon, als diese mit ihren Brettern an unsern Zelt vorbei schlendern.

Es wird abend. Und da wir schon kein Bier und keine Cola haben (leider kann man, trotz Kirkos Hoffnung, nirgends etwas kaufen....auch nicht am Parkplatz, zu dem Kirko extra einen Spaziergang eingelegt hat) bereiten wir uns mit unserem frisch gefilterten Wasser wenigstens ein leckeres Abendbrot zu. Leider verblassen wir kurze Zeit später schon wieder vor Neid, als man hinter uns anfängt am Lagerfeuer Bratwürste zu grillen und Folienkartoffeln zu garen.

Irgendwie ist es aber auch ganz nett, nach der Wildnis und Einsamkeit der letzten Tage, mal wieder unter Menschen zu sein. So schlendern wir noch ein wenig in der Gegend herum, bevor es Zeit wird ins Zelt zu verschwinden.

Etwas erstaunt sind wir darüber, dass, trotzdem hier überall Müll herumliegt, alle vorschriftsmäßig ihren Rucksack auf den Baum hängen. Auch wenn es uns hier etwas unsinnig erscheint, hängt unser wasserdichter Sack mit allen Essensvorräten wenige Minuten später ebenfalls auf dem Baum.

Wie schon so oft in den letzten Tagen, gönnen wir uns noch einen letzten Blick auf den Pacific, der für uns noch immer nichts von seiner Faszination verloren hat, verkriechen uns dann im Zelt und sind kurze Zeit später auch schon eingeschlafen.

Nachts erwache ich plötzlich von einem Geräusch. Aber diesmal ist es kein Bär, sondern nur der schnarchende Kirko, der neben mir liegt und friedlich schläft.


Baum am Sombrio Beach

Sombrio Beach

Sombrio Beach

Wegweiser

Sonntag, 25.05.2003

Am nächsten Morgen werden wir früh wach.

Ein noch müder Blick aus dem Zelt weckt unsere Lebensgeister. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen blauen Himmel. Und dabei ist es erst 7.30 Uhr. Schnell sind wir aus den Schlafsäcken gekrochen. Draußen tummeln sich bereits die ersten Wellenreiter auf dem Meer.

Die Sonne taucht alles in ein unglaublich schönes Licht und lässt den Wald wie einen Märchenwald erscheinen. Es hätte mich nicht gewundert, hätte uns heute eine Elfe das Frühstück serviert. Aber da war wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken. Das Frühstück mussten wir uns schon selbst zubereiten.

Aber wir haben das Frühstück sehr genossen vor so einer traumhaften Kulisse. Schade, dass es nun langsam Zeit wurde zusammen zu packen und aufzubrechen.

Nur ein paar Schritte und schon haben wir den Sombrio Beach mit den vielen Menschen hinter uns gelassen und sind wieder ganz allein auf weiter Flur.

Ab hier ist der Trail einfach zu begehen und so erreichen wir ziemlich schnell Little Kuitshe Creek. Die paar Plätze am Creek, die zum campieren gedacht sind, sind keinesfalls so schön gelegen wie Sombrio Beach. Dafür gibt es hier einen Food Cache, d. h. große Haken an Seilen, die an einem Mast befestigt sind, woran man dann bequem seinen Rucksack vor Bären schützen kann.

Wir machen hier nur eine kurze Pause, filtern Wasser und begeben uns weiter Richtung Parkinson Creek. Schnell haben wir auch diesen erreicht. Hier gibt es wieder einen Trailzugang, so dass uns auch hier einige Tageswanderer begegnen.

Gerade mal kurz nach Mittag, also weiter nach Payzant Creek, da gibt es dann noch mal die Möglichkeit zu campen. Der Trail ist hier wirklich nicht mehr sehr schwierig, erfordert jedoch jede Menge Kondition.

Am Payzant Creek angelangt schauen wir etwas skeptisch auf die zum zelten vorgesehenen Plätze. Mitten im Wald, kein Wasser weit und breit zu sehen und hier wimmelt es garantiert nur so von Bären. Sieht auch nicht so aus, als würde hier in den nächsten Tagen ein Mensch vorbeikommen. Uns erscheint der Platz doch ziemlich unheimlich, ein Platz am Beach würde uns wesentlich besser gefallen.

Dann gibt es allerdings nur noch die Möglichkeit bis zum Botanical Beach am Trailende weiter zu laufen. Wir wägen ab. Heute sind wir schon ca. 11 km gelaufen, es ist jetzt ca. 15.30 Uhr und bis Botanical Beach sind es noch mal 7 km.

Nach nur kurzem Zögern sind wir jedoch beide der Meinung, dass die 7 km noch vor Sonnenuntergang zu schaffen sind. Und wir freuen uns auch darauf noch ein letztes Mal am Beach zu zelten.

Die letzten 7 km sind jedoch noch einmal ganz schön beschwerlich. Der Trail führt hier nur noch durch dichten Wald. An vielen Stellen hat man Boardwalks errichtet. Die gigantischen Ausblicke auf den Pacific bleiben uns auf den letzten 7 km leider versagt.

Da wir schon eine ganze Weile kein Trinkwasser mehr haben und es langsam auch schon spät wird, sehnen wir Botanical Beach herbei.

Ca. 18.30 Uhr haben wir diesen dann auch erreicht. Dort ist das Outhouse, dort sind die Picknickplätze, aber die Campingplätze können wir einfach nicht finden. Statt dessen prangt uns ein großes Schild mit der Aufschrift „ No Camping“ entgegen. Ich schaue auf die Karte. So ein Mist! Botanical Beach ist geschütze Zone und campen ist hier nicht erlaubt. Und nun? Bleibt uns nur noch weiter nach Port Renfrew zu laufen. Ich bin wirklich wütend auf mich. Warum habe ich nur nicht eher gesehen, dass man hier nicht zelten darf?

Wir sind mittlerweile am Verdursten und wissen auch nicht so genau wo es langgeht oder wie weit es noch ist. Ca. 3 km, können aber auch 5 km sein oder noch mehr?

Wir mobilisieren unsere letzten Kräfte und laufen fast im Dauerlauf die einzige Schnellstrasse entlang, die uns hoffentlich nach Port Renfrew führt.

Nur etwa eine halbe Stunde später sehen wir schon die ersten Häuser von Port Renfrew. Unsere Freude mischt sich mit der Sorge, ob wir um diese Zeit noch ein Zimmer bekommen.

Wir versuchen es im Trailhead Motel. Ein sehr schönes Motel, in dem wir auch schon übernachtet haben, als wir 2001 den West Coast Trail gelaufen sind, aber leider ausgebucht.

Bleibt nur noch das West Coast Trail Motel hinter dem Lighthouse Pub. Dort ist momentan niemand zu erreichen, aber ein Zettel verkündet, dass man sich im Pub melden kann, um ein Zimmer zu bekommen.

Das machen wir dann auch sofort und siehe da, es ist noch ein Zimmer frei. Man rät uns jedoch erst einmal in Ruhe etwas zu essen und danach können wir dann immer noch unser Zimmer beziehen.

So vertilgen wir dann zwei große Lighthouse Burger und trinken jeder ein großes Bier. Herrlich! Gut gesättigt freuen wir uns nun auf eine heiße Dusche und auf ein schönes weiches Bett.

Plötzlich ist es auch gar nicht mehr so schlimm, dass man am Botanical Beach nicht zelten durfte. Schließlich ist ein Bier und ein Burger, eine heiße Dusche und ein weiches Bett ja auch nicht zu verachten.

Wir schlafen traumhaft....


Parkinson Creek

Payzant Creek

Botanical Beach



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